Geschichte der Bürger-Kompanie - vormals Hohenzollern-Compagnie- der St. Sebastiani Bruderschaft Anno 1433 für Ratingen und Umgegend e.V.

 

 

In diesem Jahre kann die Bürger-Kompanie, vormals „Hohenzollern-Compagnie“, auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken. Zur Vorbereitung dieses Jubiläums hat die Kompanie seit dem Jahre 2000 bereits 4 Festschriften mit zeitlich gestaffelten Rückblicken auf die Kompaniegeschichte herausgegeben.

 

Die vorliegende, eigentliche Jubiläums-Festschrift soll nun Veranlassung sein, einen Gesamtüberblick über die Entwicklung der Bürger-Kompanie bis zum Jahr 2004 zu geben, angefangen mit der Gründung im Jahr 1904, mit zwei Weltkriegen, wirtschaftlicher Not und anschließendem Neuaufbau.

 

Die Kompanie wurde nach mehreren Vorbesprechungen am 27. Oktober 1904 von 23 Schützenfreunden im Lokale von Tilmann Küppers, Homberger Strasse 5 (später die Gaststätte „Haus Kilian“, jetzt eine Pizzeria) gegründet. Man gab ihr den Namen „Hohenzollern-Compagnie“. Sie wurde dann am 1. Januar 1905 als 5. Kompanie in die große Gemeinschaft der St.Sebastiani Bruderschaft Anno 1433 für Ratingen und Umgegend e.V. aufgenommen.

 

 

 

 

 

 

                            Protokoll der Gründungsversammlung vom 27. Oktober 1904

 

 

Durch diese Namensgebung wollten die Gründer ihrer patriotischen Gesinnung und der Achtung vor dem Fürstenhaus der Hohenzollern Ausdruck verleihen.

Zweimal wurden daher auch aus besonderen Anlässen „Ergebenheitsadressen“ an den Chef des Hauses Hohenzollern gerichtet, so z.B. zum Namenstag von Fürst Wilhelm von Hohenzollern am 28. Mai 1907, auf die die folgende Antwort durch den Hofmarschall eintraf:

 

„Fürstlich Hohenzollernsches Hofmarschall-Amt, Berlin. Die von Ihnen im Namen der Compagnie Hohenzollern übersandten Glückwünsche zum Namenstage Sr. Hoheit des Fürsten von Hohenzollern haben den hohen Herrn sehr erfreut, und ich bin beauftragt, Ihnen hiermit bestens zu danken. Sie werden gebeten, gelegentlich den Mitgliedern der Compagnie den Dank und die besten Grüße seiner Hoheit zu übermitteln.                                                                                                                                         Von Bachmayr“

 

 

Des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. wurde bis zum Ende seiner Regierungszeit alljährlich besonders gedacht.

 

Während der Besetzung des Ruhrgebietes nach dem 1. Weltkrieg verlangte die französische Besatzungsmacht die Ablegung des Namens „Hohenzollern“. In der Generalversammlung vom Mai 1922 erfolgte dann die Umbenennung der Kompanie in „Bürger-Kompanie“.

 

 

 

Auszug aus dem Versammlungsprotokoll vom Mai 1922 über die Umbenennung

 

 

Die ersten 50 Jahre

 

Aufbauarbeit

 

Nach der Gründung der Kompanie war wichtigstes Ziel für Vorstand und  Mitglieder, den organisatorischen inneren und äußeren Aufbau durchzuführen, echten Schützengeist zu wecken und alle zu einer großen Familie unter dem Dach der St. Sebastiani Bruderschaft zusammenzuschließen.

Nach der Aufnahme in die Bruderschaft als 5. Kompanie neben Grenadier-, Hubertus-, Reserve- und Tell-Kompanie wurde bereits im Januar 1905 die Uniformfrage geregelt, ein Kompanieabzeichen bestimmt, ein Fonds für eine Fahne geschaffen und ein Statutenentwurf beraten.

Am 12. Februar 1905 konnten die ersten Satzungsbücher ausgegeben werden. Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

 

Hauptmann: Johann Langen
Stellv. Hauptmann: Heinrich Rossi
Schriftführer: Wilhelm Meyer
Kassenführer: Heinrich Kellermann

 

Dem Bestreben des Vorstandes, aus der neu gegründeten Kompanie eine große Schützenfamilie zu formen, dienten verschiedene Maßnahmen.

 

Da sind zunächst die Monatsversammlungen zu nennen, auf denen sich die Mitglieder persönlich näher kennen und verstehen lernten. Aber auch die Frauen sollten zueinander finden. Hierfür eigneten sich besonders die in Abständen abgehaltenen „Kaffeevisiten“, die im Sommer üblichen Familienausflüge und die regelmäßig um die Weihnachtszeit stattfindenden „Kinderbescherungen“. Zu den letzteren stifteten die Mitglieder die Gaben für die Kinder.

Hierfür nur ein Beispiel: Für die Bescherung um Weihnachten 1909 von 8o Kindern wurden allein von 8 Schützen 80 Weckmänner, 80 Apfelsinen, 24 Pfund Nüsse, 20 Pfund Spekulatius und 40 Pfund Äpfel zur Verfügung gestellt.

Ferner dienten der Pflege des Gemeinschaftsgeistes die Hochzeits- und Dienstjubiläen und sonstige wichtige Ereignisse im Familienleben der Mitglieder, um diesen herzliche Glückwünsche auszusprechen und Geschenke zu überreichen.

In den Versammlungen wurden nie die Geburtstags- und Namenstage jedes einzelnen Schützen vergessen. Man ließ sie in den Monatsversammlungen kräftig „Hoch“ leben.

Geschätzt waren auch die „Herrenessen“ der Kompaniemitglieder, besonders die am Schützenfestmontag, desgleichen die Ordens- und Preisschießen, die oft mit einem Preiskegeln verbunden waren. Dazu kamen noch die Feiern zu Ehren des jeweiligen Kompaniekönigs.

 

Es entwickelte sich ein lebhaftes sportliches und gesellschaftliches Leben und auch in den ersten Jahren des Bestehens pflegte die Hohenzollern-Kompanie zur Hebung des Gemeinschaftsgeistes freundschaftliche Beziehungen zu anderen Vereinen, besonders mit dem MGV-Liederkranz und der Hubertus-Kompanie. So feierten von 1908 bis 1918 Hubertus- und Hohenzollern-Kompanie manches Fest gemeinsam. Außerdem bestand zwischen beiden Kompanien zehn Jahre ein Abkommen über die Zahlung eines Königsgeldes, wenn ein Schütze aus der einen oder anderen Kompanie die Königswürde der Bruderschaft errang.

 

Zur Unterhaltung und Verschönerung der Kompaniefeste hatte sich im Dezember 1913 unter dem Vorsitz von Michael Kuhn eine „Theaterabteilung“ mit 14 Mitgliedern zusammengetan. Sie konnte bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges mehrmals auftreten. Bedauerlicherweise löste sie sich beim Wegzug des Leiters von Ratingen wieder auf. Auf dem Titularfest 1936 führten dann einige Mitglieder der ehemaligen Theatergruppe noch einmal einen Schwank auf, die Gruppe selbst aber konnte nicht mehr zu neuem Leben erweckt werden.

 

Durch alle diese Maßnahmen war es gelungen, die Mitglieder der jungen Kompanie in herzlicher Gemeinschaft fest miteinander zu verbinden, so dass alle Kinderkrankheiten der Gründerzeit, alle Widerwärtigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit, der Inflation und wirtschaftlichen Depression überwunden wurden und die Kompanie 1930 das Silberjubiläum feiern konnte. Gerade in den traurigen Jahren der Erwerbslosigkeit von 1930 bis 1934 zeigte sich, wie stark sich der Bruderschaftsgeist in der Bürger-Kompanie entwickelt hatte. Die wirtschaftlich Schwachen wurden unterstützt. Indem man eine Sammelbüchse im Anschluss an jede Versammlung rundgehen ließ, fand man einen Weg, dass auch diese das Schützenfest mitfeiern konnten.

 

 

 

Die Uniform (Schützentracht)

 

In der Generalversammlung vom 15. Januar 1905 festgelegt, gehörte zu ihr, übrigens bis heute unverändert, ein Rock aus jägergrüner Farbe mit dunkelgrünem Umschlagkragen, ein schwarzer Hut mit einer Feder und eine schwarze Hose. Die geplante Ausrüstung mit Gewehren oder Hirschfängern konnte allerdings zu keiner Zeit einheitlich durchgeführt werden. Gefreite, Unteroffiziere, Feldwebel und Offiziere der Kompanie trugen dieselben Abzeichen wie die gleichrangigen Chargen im alten Deutschen Heer.

Zur Uniform wurden die erworbenen Schießorden, die verschiedenen Schießschnüre, silbernen oder goldenen Eicheln getragen.

Wiederholte Anregungen einzelner Mitglieder im Laufe der Jahre zur Änderung der bestehenden Uniform blieben ohne Erfolg.

Die Neuanschaffung von Uniformen nach den beiden Weltkriegen bereitete besondere finanzielle Schwierigkeiten, aber sie wurden durch Opfergeist überwunden. Die Schützen der Bürger-Kompanie sind seit nunmehr 100 Jahren ihrer ersten Uniform treu geblieben.

 

 

 

 

Die Fahne

 

Seit Gründung der Kompanie wurde in jeder Versammlung für die Beschaffung einer Fahne gesammelt. Bereits im März 1906 konnte der Beschluss zur Anschaffung einer Fahne gefasst und der entsprechende Auftrag zur Herstellung an die Firma Hannemann in Düsseldorf vergeben werden.

 

Diese 1. Fahne zeigt auf der Vorderseite das Hohenzollernsche Wappen und die Umschrift: „Die Bürger-Compagnie, St.Sebastiani-Bruderschaft Ratingen, gegründet 1905“ (Das Gründungsjahr ist falsch angegeben). Auf der Rückseite der Fahne ist eine Abbildung des St. Sebastianus eingewebt.

Am 27. Mai 1906 konnte das Fest der Fahnenweihe nach einem Festzug durch die Straßen der Stadt begangen werden. Zur Weihe stifteten die Frauen der Kompanie eine Schärpe, die an die Fahne gehängt wurde.

An der eindrucksvollen Feier sowie an dem Festzug beteiligten sich alle Kompanien und der Hauptvorstand der Bruderschaft. Die Fahnenweihe wurde durch einen Festball abgeschlossen.

 

Aus Anlass des Goldjubiläums 1954 hat sich die Kompanie dann eine neue Fahne beschafft. Die Bonner Fahnenfabrik hat sie hergestellt. Am 25. September 1954 hat die neue Fahne durch eine besondere Feier ihre Weihe erhalten.

Diese zweite Kompaniefahne (s. Abb.) ist im Gegensatz zur 1. Fahne aus einem leichten Fahnentuch in Creme-Farbe mit grünem Rand gefertigt, der durch goldene Fransen abgeschlossen wird. Die Vorder- und die Rückseite zeigen das Bild des St. Sebastianus. Die Umschrift lautet: „Bürger-Kompagnie 1904 der St. Sebastiani Bruderschaft Ratingen, Anno 1433“.

 

Traditionsgemäß verfügt die Kompanie, besonders in den letzten 40 Jahren über mehrere Schwenkfahnen. Diese kamen und kommen auch weiterhin überwiegend zu den Festlichkeiten und insbesonders zu den Schützenfesten zum Einsatz. Als Fahnenschwenker fungieren hier im Allgemeinen jüngere Kompaniemitglieder, die nach entsprechender schweißtreibender und kräftezehrender Ausbildung mit gekonnten Fahnenschwüngen das Bild der Kompanie und der Festzüge verschönern. Zur Zeit verfügt die Bürger-Kompanie über drei einsatzfähige Schwenkfahnen bedruckt mit unterschiedlichen Motiven wie dem Ratinger Stadtwappen und dem „Heiligenhäuschen“ an der Brück- Ecke Kreuzstrasse.

 

 

Mitgliederbewegung in 100 Jahren

 

Die Kompanie wurde von 23 Schützen gegründet. In den Jahren von 1907 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) lag die Mitgliederzahl um 40. Nach Beendigung des Krieges begann die Kompanie die Aufbauarbeit mit 35 Mitgliedern und zählte 1922  wieder 48. Zur Inflationszeit stieg der Mitgliederbestand auf die „inflationäre“ Höhe von 117 Schützen. Damit wies die Kompanie den höchsten Stand an Mitgliedern auf. Darunter befanden sich allerdings viele, die sich nur vorübergehend für die Schützensache begeistert hatten, sodass sich die Mitgliederzahl in den nächsten Jahren nach und nach wieder reduzierte. Im Jahr 1925 auf 102; 1926 auf 98; 1927 auf 84 und 1928 auf 68 Mitglieder.

Im Jahr 1930, dem Silberjubiläum der Kompanie, betrug die Mitgliederzahl allerdings wieder 75 und  das 500jährige Jubiläum der St. Sebastiani Bruderschaft 1933 brachte einen neuen Aufschwung mit bis zu 91 Schützen.

Bald nach Beginn des zweiten Weltkrieges folgten erneut Einschränkungen bis das Vereinsleben fast zum Stillstand gekommen war. Nach dem Krieg (1939 bis 1945) begann die Bürger-Kompanie ihre Aufbauarbeit mit 38 Schützen aufs Neue. So waren es im Jahr 1954 bereits 45 und zehn Jahre später, 1964,  wieder 53 Mitglieder. In den Jahren darauf schwankte die Mitgliederzahl immer zwischen 60 und 40. Heute in 2004, im Jahr des 100jährigen Bestehens, gehören ihr knapp 50 aktive Schützen an. Hierin eingeschlossen sind zwei Ehrenmitglieder und zwar

 

August Breuer, 96 Jahre alt und seit 50 Jahren Kompaniemitglied und

Johann Fengels, 70 Jahre alt und seit 41 Jahren Kompaniemitglied.

 

Hinzu kommen aber noch fördernde Mitglieder und Witwen verstorbener Schützenbrüder.

 

 

Mitgliederbeiträge

 

Diese waren anfangs sehr gering. Es wurden pro Monat 25 Pfennig von jedem Schützenbruder erhoben und davon noch ein Teil an die Bruderschaftskasse abgeführt, die damit die allgemeinen Feste finanzierte und die Sterbegelder auszahlte.

Mit den erhöhten Ansprüchen an die Bruderschaftsveranstaltungen und die Sterbegelder stieg auch der zu entrichtende Kompaniebeitrag, der in den Monatsaversammlungen erhoben wurde und heute bei 80 € pro Jahr liegt. Jungschützen unter 25 Jahren zahlen hierbei die Hälfte und Jüngstschützen (Schüler) unter 18 Jahren sind beitragsfrei.

 

Aus der Zahlung der Beiträge während der Inflationszeit in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben die Protokolle einige Absonderlichkeiten festgehalten. So wurden in der Monatsversammlung der Kompanie von Mai 1923 2400 Mark an Beiträgen von den Anwesenden kassiert und 1000 Mark an die Bruderschaft abgeführt. Am 15. Juli 1923 kamen 25 800 Mark ein, am 16. September 1923 sogar 156 000 Mark bei einem Monatsbeitrag von 10 000 Mark.

 

 

Kompanie Lokal

 

Es war eine Selbstverständlichkeit, dass das Haus von Tilmann Küppers, Homberger Strasse 5, in dem die Gründung der neuen Kompanie 1904 erfolgte, auch zum Kompanielokal erklärt wurde.

Als im Laufe der Jahre mehrere Wirte die Mitgliedschaft erwarben, wurde der Wunsch bei einigen Mitgliedern laut, auch bei diesen Wirten Versammlungen abzuhalten. Das geschah dann auch im Wechsel bis es bei zunehmender Zahl an Wirtsleuten immer schwieriger wurde, dieses Verfahren fortzuführen. So wurde im Jahr 1924 sogar eine Neuorganisation durchgeführt, in dem je ein Kompaniezug einem bestimmten Lokale zugewiesen wurde und die vier Züge außer dem Zugführer auch einen Schrift- und Kassenführer wählten. Hierbei sollte das Haus Küppers Stamm- und Fahnenlokal bleiben.

Als der Vorstand und auch die Mitglieder jedoch erkannten, dass auf diese Weise die Einheit der Kompanie zerrissen würde, ließ man die Aufteilung bereits nach einem Jahr wieder fallen und beschloss, in jeder Monatsversammlung das Lokal der nächsten Tagung zu bestimmen. Als sich dann auch diese Regelung auf Dauer nicht bewährte, wurde ab 1929 das Versammlungslokal jedes Mal für ein Jahr festgelegt, wobei das Gründungslokal ständig den Vorzug erhielt.

 

Als die Franzosen während der Besetzung Ratingens 1921 eine Zollgrenze errichteten, verlief diese über die Bahntrasse des Ostbahnhofs. Dadurch lag das Fahnenlokal jenseits der Zollgrenze und konnte ohne Passierschein nicht erreicht werden. Aus diesem Anlass musste die Beerdigung des Schützenkameraden Schwarz ohne Fahne erfolgen, weil diese nicht abgeholt werden konnte.

Zum Glück dauerte die lächerliche Zollbezirkseinrichtung nicht allzu lange, so dass die Bürgerschützen bald wieder freien Zugang zu ihrem Kompanielokal hatten.

 

Erst im Jahr 1996, nach 92 Jahren Treue zum Kompanielokal wechselte die Kompanie notgedrungen ihr angestammtes Fahnenlokal von Tilmann Küppers, später „Haus Kilian“, in den Ratinger Osten zum „Birkenhof“, doch hiervon an anderer Stelle mehr.

 

 

 

 

                      

 

Der Spielmannszug

 

Es gab eine Zeit in der Bruderschaft, als alle Kompanien danach strebten, möglichst einen eigenen Spielmannszug in ihren Reihen zu haben. Dieses Bestreben wird verständlich, wenn man sich das publikumswirksame Bild einer Schützenkompanie mit Spielmannszug auf Festen und bei Umzügen vor Augen hält. Bei diesen Wünschen wurde aber meistens übersehen, dass sich nach der Aufstellung eines eigenen Spielmannszuges durch Uniformierung, Unterhaltung, Bereitstellung von Musikinstrumenten usw. zwangsläufig Probleme, meistens finanzieller Art, ergeben mussten.

Nach dem ersten Weltkrieg bestand eine Reihe von Jahren zwischen der Bürger-Kompanie und dem Tambourcorps der Deutschen Jugendkraft (DJK) ein freundschaftliches Verhältnis. Dieser Spielmannszug begleitete die Bürger-Kompanie am Titularfest zur Kirche und beim Schützenfest und nahm an verschiedenen Kompanieausflügen teil, blieb aber eine selbstständige Gruppe.

 

Am 24. Februar 1935 erfüllte sich dann der lang gehegte Wunsch nach einem eigenen Tambourcorps, als 20 junge Spielleute unter der Leitung von W. Hannemann in die Bürger-Kompanie aufgenommen werden konnten. Sie waren der ganze Stolz der Schützen, aber leider nicht sehr lange, denn die Spielmannszugfrage beschäftigte von nun an so manche Monatsversammlung, teilweise in unerwünschter Weise. Als es immer weiter Schwierigkeiten gab, wurde das Tambourcorps mit Wirkung vom 1. Januar 1938 an aufgelöst. Man hatte erkannt, dass eine einzelne Kompanie allein schon wegen der Kostenfrage nicht in der Lage ist, sich einen selbstständigen Spielmannszug zu leisten.

 

Neugründungen

 

Durch Anregung einiger Mitglieder der Bürger-Kompanie kam es zur Gründung zweier neuer Formationen innerhalb der St. Sebastiani Bruderschaft, und zwar des Reitercorps und der Andreas-Hofer-Kompanie.

 

In der Versammlung am 5. September 1925 schlug das Mitglied Johann Poensgen vor, innerhalb der Bürger-Kompanie eine Reitergruppe zu bilden, die dann den Grundstock für ein Reitercorps der Bruderschaft bilden sollte (schon 1908 hatte er den gleichen Vorschlag gemacht).

Der damalige Schützenoberst Krümmel griff diese Anregung auf und gründete 1926 das jetzt noch bestehende Reitercorps, dessen Vorstand damals zwei bewährte Mitglieder der Bürger-Kompanie aufwies: Tilmann Küppers als Rittmeister und Johann Betten als Wachtmeister und Schriftführer.

Im Jahr 1931 wurde auf Veranlassung von Karl Behr, seit 1913 ein besonders eifriges Mitglied der Bürger-Kompanie, die Andreas-Hofer-Kompanie gegründet.

 

 

Das Silberjubiläum

 

Am 19. Januar 1930, am Tage der Sebastianusfeier der Bruderschaft, feierte die Bürger-Kompanie ihr 25jähriges Bestehen. Sämtliche Kompanien waren durch Fahnenabordnungen vertreten. Außerdem waren der gesamte Vorstand der Bruderschaft, ihr Protektor Bürgermeister Max Scheiff und Schützenkönig Peter Kremer anwesend. Schützenhauptmann Hubert Schäfer leitete die Feier. In seiner Festrede ging der Vorsitzende der Bruderschaft, Rechtsanwalt Dr. Nakatenus, auf die Geschichte der Bürger-Kompanie ein, überreichte ihr im Namen der Bruderschaft einen silbernen Kranz für die Fahne und ehrte die seinerzeit noch lebenden acht anwesenden Gründungsmitglieder Gerhard Borghoff, Heinrich Kellermann, Josef Kramer (Schützenkönig 1912), Josef Lisken, Peter Michels, Daniel Oberbanscheidt, Josef Reuß und Schützenhauptmann Hubert Schäfer.

 

Dieses unter Anteilnahme der gesamten Bruderschaft und weiten Kreisen der Ratinger Bürger gefeierte Jubiläum, war ein Markstein in der Geschichte der Bürger-Kompanie, festigte die Gemeinschaft und gab ihr einen starken Auftrieb für die Tätigkeiten der nächsten 25 Jahre.

 

 

Führende Vorstandsmitglieder in der Hohenzollern- bzw. Bürger-Kompanie in den ersten 50 Jahren

 

Wie die Erfahrung lehrt, steht und fällt eine Organisation, gleich welcher Art, mit ihren führenden Personen. Bei den Schützenkompanien ist das nicht anders und so ist es unumgänglich, die Erinnerung an die tatkräftigen Persönlichkeiten der Bürger-Kompanie in diesem historischen Rückblick lebendig zu erhalten. Wenn einige dabei nur namentlich kurz genannt werden, so liegt das sowohl am fehlenden Platz in dieser Chronik als aber auch an fehlenden Informationen, die auf Grund der langen Zeitspanne nicht mehr zur Verfügung stehen.

 

 

 

Hauptmann Hubert Schäfer  gehörte zu den Mitbegründern der Hohenzollern-Compagnie, der er bis zu seinem Tod 1934 die Treue hielt. Am 12. März 1905 wurde er zum stellvertretenden Hauptmann gewählt, aber auf ihm lastete die Hauptarbeit der Kompanieführung, weil der Gründungshauptmann Johann Langen aus beruflichen Gründen häufig außerhalb Ratingens weilte. Hubert Schäfer wurde deshalb schon am 26. Januar 1908 zum außerplanmäßigen und am 29. Januar 1911 zum aktiven Hauptmann gewählt.

So hatte er, als er am12. September 1934 plötzlich starb, praktisch fast 30 Jahre ununterbrochen in vorbildlicher Weise und echtem Schützengeist die Geschicke der Hohenzollern- bzw. Bürger-Kompanie geleitet.

 

Hauptmann Anton Böker   trat am 5. Juni 1926 in die Kompanie ein und wurde am 3. Januar 1931 zum stellvertretenden Hauptmann und am 6. Januar 1935 zum Nachfolger Hubert Schäfers gewählt. Leider zwang ihn sein schlechter Gesundheitszustand, schon nach zwei Jahren mit Bedauern aller Bürgerschützen auf sein Amt zu verzichten. Er starb nach längerer Krankheit am 19. November 1948, betrauert von seinen Schützenkameraden.

 

Johann Schönauer  folgte Anton Böker durch die Wahl am 9. Januar 1937 als Hauptmann, nachdem er seit seinem Eintritt in die Kompanie im Jahr 1925 bereits verschiedene Posten im Vorstand wie Zugführer und Fähnrich bekleidet hatte. Als er im Januar 1953, ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen, auf sein Amt verzichten musste, wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenhauptmann ernannt.

 

Hauptmann Alfons Herrenbrück  war seit 1935 Mitglied der Kompanie, bekleidete mehrere Jahre das Amt des Fähnrichs und war als Nachfolger von Johann Schönauer von 1953 bis 1957 Kompaniehauptmann.

 

 

 

 

Wiederaufbau nach 1945

 

Während und nach dem 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 war das Kompanieleben auf Grund der Kriegsereignisse und –folgen fast vollständig zum Erliegen gekommen. So trafen sich alte Kameraden der Bürger-Kompanie erst am 20. November 1946 wieder im Kompanielokal von Tilmann Küppers um für das Jahr 1947 eine Versammlung einzuberufen. Dort konnte dann Hauptmann Johann Schönauer 15 Schützen begrüßen. Die zweite Versammlung folgte dann am 20. Juli 1947 und im August des gleichen Jahres konnte schon wieder das Schützenfest gefeiert werden wo auch gleich Johann Lipperson von der Bürger-Kompanie mit der Armbrust König der St. Sebastiani Bruderschaft wurde.

In den folgenden Jahren bildete der Wiederaufbau der Kompanie den Schwerpunkt der Kompanieführung.

 

 

 

 

   Kompanie vor dem Kompanielokal Küppers im Jahr  1954

 

 

Das Goldjubiläum

 

Im Jahr 1954 feierte dann die Kompanie ihr 50jähriges Bestehen im Kompanielokal  Küppers. Der damalige Schützenchef Willi Werdelmann lobte den guten Schützengeist. Mit ihm war fast der gesamte Bruderschaftsvorstand zur Feier erschienen.

Das Ehrenvorstandsmitglied der Bruderschaft, H. Büter, verlas in der Feierstunde die Namen der 43 bisher verstorbenen Schützenbrüder.

Aus Anlass des Jubiläums hatte seinerzeit Herr Büter eine Festschrift mit der Kompaniegeschichte zusammengestellt, die auch zum großen Teil die Grundlage dieser geschichtlichen Abhandlung bildet.

Vor dem Jubiläumsfest hat die Kompanie ihre neue Fahne in der „Herz-Jesu-Kirche“ weihen lassen. Schützenchef Werdelmann betonte in seiner Festrede, dass die Kardinaltugenden der Kompanie Treue, Gemeinschaftssinn und Opfergeist sind.

Zur neuen Fahne übergaben der Chef der Bruderschaft und der damalige Oberst Fritz Keusen je einen schönen Fahnennagel.

Bewegt überreichte der 81jährige Johann Langen, der im Gründungsjahr 1904 zum 1.Hauptmann der Kompanie gewählt worden war, ebenfalls einen Fahnennagel.

 

 

Die zweiten 50 Jahre

In chronologischer Reihenfolge

 

Die Geschichte der Bürger-Kompanie setzt sich nach dem Goldjubiläum fort mit einer weiteren markanten Führungsfigur. Am 1. April 1952 trat Fritz Schleifenbaum in die Kompanie ein und zeigte sehr schnell, dass er ein begeisterter Schütze war. Er rückte schon bald als Schießwart und dann ab 1954 als Stellvertretender Hauptmann in den Kompanievorstand vor und wurde am 12. Januar 1957 als Nachfolger von Alfons Herrenbrück zum Hauptmann gewählt.

 

 

Fritz Schleifenbaum (s. Abb. rechts) war immer mit Leib und Seele dabei, wo geschossen wurde. Sein größter Einsatz galt der Förderung des Schützengeistes, seine größte Freude war die Zusammengehörigkeit in der Bürger-Kompanie. Im Jahr 1960 schenkte er der Kompanie die erste Schwenkfahne auf der das Ratinger Stadtwappen abgebildet war. Erster Fahnenschwenker und damit Fahnenjunker wurde Horst Schürmann.

 

In den folgenden Jahren verstand es die Kompanieführung unter Fritz Schleifenbaum die Aufbauarbeit erfolgreich fortzusetzen. Ein besonderes Schwergewicht bildete hier die Einbindung der Jugend in das Schützenwesen und der weitere Aufbau einer Schießanlage im Kompanielokal. Höhepunkte im Kompanieleben waren aber nach wie vor die großen Schützen- und Heimatfeste der Bruderschaft sowie das jährliche Königsfest im Kompanielokal.

Im Jahr 1957 trug der mit Nachdruck betriebene Wiederaufbau erste Früchte: Fritz Schleifenbaum jun. errang beim Schützenfest die Würde eines Jungkönigs der St. Sebastiani Bruderschaft.

 

Der nächste runde Geburtstag der Bürger-Kompanie folgte dann im Jahr 1964.

Dieses Jahr des 60. Kompaniejubiläums begann recht verheißungsvoll. Beim Bruderschaftspokalschießen errang Manfred Schleifenbaum den Jung-schützenpokal und beim alljährlichen Schützenfestzug glänzte die Bürger-Kompanie in besonderem Maße.

 

 

 

 

Die Bürger-Kompanie zum 60. Jubiläum vor dem Kompanielokal „Kilian“

 

 

Nach einem Festhochamt in der Pfarrkirche „Herz-Jesu“ am 18. Oktober fand eine Woche später das Jubiläums- und Königsfest  im damaligen „Ferdinand-Cremer-Haus“ an der Angerstrasse statt. Fast alle Vorstandsmitglieder und Hauptleute der Bruderschaft waren mit ihren Fahnenabordnungen erschienen und der damalige Chef der St. Sebastiani Bruderschaft Erich Eick hielt die Festansprache. Aus Anlass des Jubiläums stifteten die Schützenfrauen ein prächtiges Füllhorn und einen „Fähnrichschild mit Kette“, der auch heute noch getragen wird.

 

Im folgenden Jahr gelang einem Schützen der Bürger-Kompanie endlich wieder ein großer Erfolg. Bodo Gerock, gerade erst in die Kompanie aufgenommen, wurde beim Schützen- und Heimatfest Bruderschaftsjungkönig.

 

Im Jahr 1967 legte Hauptmann Fritz Schleifenbaum sen. nach 10 Amtsjahren den Kompanievorsitz nieder und wurde auf Grund seiner Verdienste zum Ehrenhauptmann ernannt. Zum neuen Hauptmann wurde Willi Röhse gewählt, der dann aber bereits ein Jahr später, 1968, von dem wesentlich lebensjüngeren Werner Mayer als neuem Hauptmann abgelöst wurde. Mit diesem  Wechsel im Hauptmannsamt war auch gleichzeitig ein Wechsel in mehreren anderen Vorstandspositionen verbunden, sodass es sich hier durchaus um einen kleinen Generationswechsel gehandelt hat.  

 

Drei Jahre später, 1971, wurde der bisherige 2.Vorsitzende der Kompanie, Erich Mitteis, als Nachfolger von Werner Mayer zum Hauptmann gewählt. Er leitete die Kompanie 4 Jahre bis ihm 1975 mit Hendrik van Staveren ein Hauptmann folgte, der mit Leib und Seele Schütze war und der in der Bürger-Kompanie bereits vorher in mehreren Vorstandsämtern, u.a. als Kassierer und Schießwart tätig war.

 

Hendrik van Staveren  führte die Kompanie mit viel Geschick 17 Jahre bis im Jahr 1992 mit der Wahl des lebensjüngeren Klaus-Peter Schumacher zum Hauptmann auch in dieser Position ein Generationswechsel vollzogen wurde. Hauptmann Klaus-Peter Schumacher hat es verstanden, während seiner  nunmehr auch schon über 12-jährigen Führung den Kompanievorstand zu verjüngen, den Mitgliederbestand auszuweiten, zu festigen und neue Freundschaften, so mit dem St. Suitbertus - Tambourcorps Ratingen-Tiefenbroich zu knüpfen.

 

Auf das Jahr 1971 folgten Jahre mit einem Auf und ab in der Mitgliederbewegung, mit vielen jährlichen Veranstaltungen, die zum Teil auch heute noch zum regelmäßigen Kompanieleben gehören.

 

So feierte die Kompanie traditionell zu Karneval ein „Kappenfest“, später dann ab 1977 ein „Frühlingsfest“ im Fahnenlokal „Kilian“ (früher Küppers) an der Homberger Strasse, dem Lokal, dem die Kompanie über all die Jahre seit der Gründung 1904 treu geblieben war.

 

Später dann, in den 80er-Jahren nahmen die Schützen der Bürger-Kompanie regelmäßig und auch mit guten Erfolgen an der „Schützenrallye“, einer PKW-Orientierungsfahrt der Jägerkompanie teil.

 

Die jährliche Nikolausfeier in der Adventszeit, mittlerweile in „Weihnachtsfeier“ umbenannt, war und ist nach wie vor ein fester Bestandteil der Kompanieveranstaltungen. Hier feiert die ganze „Schützenfamilie“ ein vorweihnachtliches Fest bei dem der Nikolaus mit seinem Besuch nachmittags den  kleinen Schützennachwuchs und abends die großen Schützen  erfreut.

 

Das sog. „Eierschießen“ im Frühjahr, bei dem sich die Schützen je nach Schießleistung mit Eiern für die Ostertage eindecken können, gehört seit Anfang der 80er-Jahre bis heute ebenso wie die Wettkämpfe um die zahlreichen kompanieinternen Wanderpokale,  zu den festen Schießterminen jeden Jahres.

 

Hier bewährte sich einmal mehr der Kompanieeigene Schießstand im Lokal „Kilian“, der noch Ende der 80er-Jahre in Eigenregie auf den neuesten technischen Stand gebracht wurde.

Bei diesen optimalen Trainingsmöglichkeiten - das Schießen bildete immer, auch heute noch,  einen Schwerpunkt bei den jährlichen Kompanieveranstaltungen - blieben die Schießerfolge der Bürgerschützen nicht aus.

 

Lange Jahre mussten die Schützen der Kompanie allerdings warten, bis endlich  Fritz Macht im Jahr 1972 die Würde eines Bruderschaftskönigs wieder für die Bürger-Kompanie erringen konnte.

Im gleichen Jahr übernahm unser Kompaniefähnrich Fritz Aprath als Fähnrich die Fahne der St. Sebastiani Bruderschaft und seitdem ist Heinz Böcker bis heute der Kompaniefähnrich.

Im Jahr 1981 errang Michael Klapdor von der Bürger-Kompanie als erster die neu geschaffene Würde eines Schülerkönigs der St. Sebastiani Bruderschaft. Hierfür stiftete Hauptmann Hendrik van Staveren die erste Schülerkönigskette.

 

 Aus den Reihen der Bürger-Kompanie schafften es dann noch Michael Breker (1985), Andre van Rennings (1993) und später Marcel Schäfer (1997) Schülerkönig zu werden.

 

Diese Erfolge bei den jährlichen Schützen- und Heimatfesten gingen einher mit wechselnden Erfolgen bei den Pokalschießen der St.Sebastiani Bruderschaft und den Ratinger Schieß – Stadtmeisterschaften.

 

Beim Bruderschaftspokalschießen errangen Manfred Flakowski 1977 und 1978, Josef Plassmann 1980 und K.-D.Blumentrath 1988 den „Andreas-Hofer-Pokal“ für Jungschützen. Den „Toni-Bös-Pokal“ für Jugendmannschaften errang die Kompanie 1978 und 1980.

Den „Georg-Svoboda-Pokal“ für Senioren konnten August Breuer (1977), Helmut Walter (1986), Johann Fengels (1992) und Egon Schindek (1995) für sich entscheiden, während Roland Tartsch 1983 den „Oberst-Keusen-Pokal“ erringen konnte.

Die Mannschaft der Bürger-Kompanie belegte 1988 den 1.Platz beim „Willi-Werdelmann-Pokal“.

Aber auch bei den Ratinger Stadtmeisterschaften war die Kompanie mehrfach in der Disziplin: – Luftgewehr / aufgelegt – mit Hartmut Abs (1989 und 1991), August Breuer (1981 und 1992), Johann Fengels (1993) und Egon Schindek (1989 und 1991) sowohl  in den  Einzelklassen als auch in der Mannschaftsklasse (1986, 1987, 1989, 1991 und 1993) als Sieger erfolgreich.

 

Im Jahr 1977 verstarb, betrauert von seinen Schützenkameraden, der allseits geschätzte Ehrenhauptmann Fritz Schleifenbaum sen. (Hauptmann von 1957-1967), der sich stets in hervorragender Weise für die Bürger-Kompanie eingesetzt hatte.  

In diesem Jahr wurde auch die alte Gründungs-Kompaniefahne  dem Ratinger Museum zur endgültigen Aufbewahrung übergeben.

 

In 1978 erfolgte ein doppelter Wechsel. Zum Einen wurde das Kompanie-Königsschießen, das traditionell im Herbst stattfand, ab diesem Jahr auf den Juni im Frühsommer verlegt und zum Anderen fand das Kompanie-Königsfest erstmals aus Platzgründen nicht im Kompanielokal Kilian sondern im Pfarrsaal St. Peter und Paul statt. Seitdem nutzt die Kompanie sowohl diesen als auch den Pfarrsaal von Herz-Jesu und/oder die Ratinger Stadthalle.

 

Das Jahr 1979 stand im Zeichen des 75. Kompaniejubiläums und aus diesem Anlass wurde erneut eine neue Kompaniefahne beschafft und feierlich in der „Herz-Jesu-Kirche“ geweiht. Anschließend feierte die Bürger-Kompanie mit Vertretern der St. Sebastiani Bruderschaft und befreundeter Kompanien das Jubiläum im Kompanielokal Kilian. Die neue Fahne führte seinerzeit als „Fahne mit dem nus“ sogar zu besonderen Diskussionen und Pressenotizen. Grund hierfür ist der Fahnenaufdruck „St. Sebastianus“ statt „St. Sebastiani“ für die Ratinger Bruderschaft. Aber der Aufdruck fand dann schließlich doch seinen kirchlichen und auch bruderschaftlichen Segen.

Diese neue dritte Fahne zeigt daher auf der Vorderseite das Abbild des St.Sebastianus mit dem Stadtwappen und dem Aufdruck „Bürger-Kompanie 1904 Ratingen“ sowie dem o.g. Umlauf „St.Sebastianus Bruderschaft“. Die Rückseite ziert eine Abbildung der Ratinger „Herz-Jesu-Kirche“ und der Wahlspruch „Glaube, Sitte, Heimat“.

Die Schützenfrauen stifteten zu der neuen Fahne auch gleich einen zusätzlichen „Jubiläumswimpel“.

 

Nach dem Jubiläum im Januar gab es dann noch im März des gleichen Jahres ein  Ereignis, das im Laufe der folgenden Jahre bis heute bedeutende Folgen hat:

Ein Schütze der Bürger-Kompanie, Peter Klapdor, heiratete seinerzeit seine Ulrike aus Diemelsee-Stormbruch (so können beide im Jubiläumsjahr 2004 auch gleich ihre Silberhochzeit feiern). Bei der Hochzeit am hessischen Diemelsee im Waldecker Land waren auch etliche Schützen der Kompanie anwesend und hieraus entwickelte sich eine feste Freundschaft mit dem dortigen „Schützenverein Stormbruch von 1883 e.V.“

 

Diese Freundschaft führt seitdem dazu, dass die Bürger-Kompanie regelmäßig Familienausflüge per Bus nach Diemelsee-Stormbruch unternimmt und auch immer an den dortigen, alle 3 Jahre zu Pfingsten stattfindenden Schützenfesten teilnimmt. Aber auch die Stormbrucher Schützen haben schon mehrfach die Bürger-Kompanie bei den Ratinger Schützenfesten begleitet.

Unvergessen bleibt hier deren Besuch beim Ratinger Schützenfest 1990, als der Stormbrucher Schütze Karl-Heinz Bangen nach dem doch wohl recht schweißtreibenden Festzug im Schützenzelt „100 Bier“ beim Kellner orderte und auch erhielt!

 

Wie bereits erwähnt verschönert die Bürger-Kompanie traditionell den Ratinger Schützenfestzug mit Schwenkfahnen. Eine davon, bedruckt mit dem Heiligenhäuschen an der Ecke Brück- und Kreuzstrasse als Motiv wurde 1981 beschafft und feierlich in der Kirche „Herz-Jesu“ geweiht.

 

Im Jahr 1983, beim 550. Jubiläum der St. Sebastiani Bruderschaft Ratingen begleitete der Musikzug aus Sinzig/Rhein die Kompanie beim großen Festzug und 1984 beging die Bürger-Kompanie ihr eigenes 80. Jubiläum mit einer Messe in der „Herz-Jesu-Kirche“ und anschließendem Festakt im dazugehörigen Pfarrsaal. Als äußeres Zeichen ließ die Kompanie eine“ Jubiläumsplakette“, zu tragen an der Schützentracht, prägen und an die Schützen ausgeben. Die Schützenfrauen stifteten zu diesem Anlass eine Plakette für die Kompaniefahne.

 

Die regelmäßig hochsommerlichen Temperaturen beim Ratinger Schützen- und Heimatfest im August führten dazu, dass sich die Kompanie 1989 entschloss, an besonders heißen Tagen Sommerhemden an Stelle der mitunter schweren und dicken Schützentracht zu tragen. Die weißen Hemden, zu denen selbstverständlich eine grüne Krawatte gehört, tragen auf der linken Brustseite das Emblem der Bürger-Kompanie.

In diesem Jahr errang ein Schütze der Bürger-Kompanie wieder einmal einen großen Erfolg: Michael Klapdor, der bereits 1981 erster Schülerkönig war, wurde Jungkönig der Bruderschaft.

Als erstmalig im Jahr 1990 und dann später in unregelmäßigen Abständen von der Johann-Wilhelm-vom Berg Kompanie und der St. Sebastiani Bruderschaft  Benefiz-Fußballturniere durchgeführt wurden, waren die Schützen der Bürger-Kompanie selbstverständlich mit einer Mannschaft dabei.

 

Mit der bereits genannten Übernahme des Hauptmannsamtes durch Klaus-Peter Schumacher im Jahr 1992 wurde der bisherige Hauptmann Hendrik van Staveren für seine 17-jährige Tätigkeit an der Spitze der Kompanie zum Ehrenhauptmann ernannt.

 

Im Jahr 1993 gab sich die Kompanie nach langen Vorbesprechungen und Genehmigung seitens der Bruderschaft eine neue zeitgemäße Kompanie-Satzung. Im selben Jahr führte uns der Familienausflug zum „Schwarzbachhof“ ins nahegelegene Schwarzbachtal und die Schützen fuhren erstmalig auf eine Herrentour zum Angeln nach Holland. Eine Herrentour hat seitdem einen festen Platz in der jährlichen Terminplanung.

 

 

Aufnahme der Kompanie 1993 im Pfarrsaal „Herz-Jesu“

 

Zum 90. Jubiläum der Bürger-Kompanie im Jahr 1994 wurde eine umfangreiche Festschrift gestaltet, wiederum eine „Jubiläumsmedaille“ geprägt und Biergläser mit dem Emblem der Kompanie ausgegeben. Das Jubiläum selbst wurde im Rahmen eines großen „Jubiläums-Königsfestes“ in der Ratinger Stadthalle und mit einer Messe in der Pfarrkirche „Herz-Jesu“ gefeiert.

Die Schützenfrauen, die die Kompanie mehrfach in historischen Kostümen beim Schützenfestzug begleitet haben, nahmen das Jubiläum zum Anlass, ihren Schützen ein „Mini-Blumenväschen“ zur Schützentracht zu stiften.

Im gleichen Jahr wurde einer der aktivsten Schützen der Bürger-Kompanie, Hartmut Abs, als Adjutant in das Aktive Corps der St. Sebastiani Bruderschaft aufgenommen.

Seit diesem Jubiläumsjahr wird beim alljährlichen Königsschießen der Bürger-Kompanie nicht nur ein König und Jungkönig sondern auch ein sog. „Traditionskönig“ ermittelt. Hier sind alle Bürgerschützen schießberechtigt, die bereits einmal Kompaniekönig waren.

Der Familienausflug führte die Kompanie in diesem Jahr wie auch in den folgenden fünf  Jahren nach Eggerscheidt auf den Hof von Bauer Kückels.

 

Das Gründungslokal von Tilmann Küppers, später dann „Haus Kilian“, blieb wie bereits gesagt über 92 Jahre bis zum Jahr 1996 Heimstatt der Bürger-Kompanie. Mit der Geschäftsaufgabe des letzten Kompaniewirtes wurde das Lokal geschlossen und die Kompanie musste sich notgedrungen ein neues Fahnenlokal suchen.

Mit dem „Birkenhof“ im Ratinger Osten an der Bruchstrasse unter dem neuen Kompaniewirt Erich Koch haben die Bürgerschützen seitdem ein sehr gutes „neues“ Fahnenlokal gefunden, in dem die Kompanie schnell heimisch wurde.

 

Gleichwohl wurde auch mit diesem Wechsel die erfolgreiche Arbeit des Kompanievorstandes unter Hauptmann Peter Schumacher fortgesetzt. So ging es für die Schützen wieder auf eine Herrentour zur holländischen Nordsee und mit der Familie zum Hof von Bauer Kückels in Eggerscheidt.

Beim Fußballturnier der Ratinger Schützen war auch die Bürger-Kompanie wieder mit einer Mannschaft beteiligt.

Das neue Kompanielokal Birkenhof erwies sich im Nachhinein noch in einem weiteren Punkt als Glücksgriff. In den Vorjahren konnten die Weihnachtsfeiern der Kompaniefamilie  infolge Platzmangels nicht im „Haus Kilian“ sondern nur „auswärts“ im Vereinsheim des Kleingärtnervereins „Schützenburg“ durchgeführt werden. Nun war endlich im Saal vom „Birkenhof“ genug Platz, und die Schützen feiern seitdem dort mit ihren Familien, Freunden und Gästen und für die Kinder erscheint sogar regelmäßig der Nikolaus.

 

Mit der Schließung des bisherigen Kompanielokals Kilian stand auch der Schießstand nicht mehr zur Verfügung und so musste die Kompanie für ihre Übungs- und Pokalschießen zunächst nach Angermund ausweichen. Seit einigen Jahren wird aber nunmehr der Schießstand der Tiefenbroicher Sportschützen auf dem Gelände der ehemaligen Firma Wingerrath an der Kaiserswerther Strasse genutzt.

 

Ab dem Jahr 1997 verfügt die Kompanie für jeden Schützen über eigene Vereinsnadeln mit dem in grün gehaltenen Emblem der Kompanie:

Eine goldfarbene Aufschrift „Bürger-Kompanie Ratingen“, zwei gekreuzte Gewehre über einer Schießscheibe und darunter ein Eichenlaub mit der Jahreszahl „1904“.

Versehen mit einem silbernen oder goldenen Kranz dienen diese Nadeln auch als Verdienstnadeln für besonders aktive Schützen.

 

In der Sommergeneralversammlung 1997 der St. Sebastiani Bruderschaft wurde der bisherige Adjutant Hartmut Abs, der innerhalb der Bürger-Kompanie das Amt des Schießmeisters ausübt, zum Major gewählt. Er konnte sich gleich beim Schützen- und Heimatfest in seiner neuen Funktion bewähren. Bei diesem Fest wurde Marcel Schäfer, das 14 jährige Mitglied der Kompanie, Schülerkönig und am Schützenfestdienstag traf man sich mit den Schützen der Von-Berg-Kompanie erstmalig zu einem gemeinsamen Preisschießen. Dieses Preisschießen wird seitdem regelmäßig am Schützenfestdienstag durchgeführt.

 

Eine weitere Neuerung ist seit diesem Jahr Bestandteil des Kompanielebens. Die alljährliche nachmittägliche Weihnachtsfeier für die ganze Kompaniefamilie wird durch eine zusätzliche abendliche Feier für die „großen“ Schützen ergänzt. Beide Feiern unter der musikalischen Federführung von Schützenbruder Fritz Schleifenbaum erfreuen sich seitdem großer Beliebtheit.

Fritz Schleifenbaum, seit 50 Jahren Mitglied der Bürger-Kompanie und der St. Sebastiani Bruderschaft und somit ein „Urgestein“ der Kompanie, der in mehreren Vorstandsämtern wie u.a. Fahnenoffizier (1959-1963), Stellvertretender Hauptmann (1963-1967) und Festausschussvorsitzender tätig war, setzt sich hier seit Jahren engagiert ein und ist bei der Ausrichtung dieser Feiern nicht mehr wegzudenken:

 

Das Jahr 1998 stand für die Bürger-Kompanie im Zeichen der Schützenfreundschaft. So nahm eine große Abordnung der Kompanie am Schützenfest des befreundeten Schützenvereins in Warburg-Rimbeck (Kreis Höxter), teil und zum Ratinger Schützen- und Heimatfest begleitete wiederum der befreundete Schützenverein aus Diemelsee-Stormbruch die Kompanie.

Der Gegenbesuch zum Diemelsee im Waldecker Land folgte dann ein Jahr später zu Pfingsten zum dortigen Schützenfest in Form eines Familienausfluges. Weitere Höhepunkte in diesem Jahr folgten mit einer „Video-Matinee“ im Vereinslokal „Birkenhof“ mit alten und neuen Filmaufnahmen sowie der jährlichen Herrentour, diesmal per Planwagen durch die Ratinger Wälder nach Lintorf.

  

Mit dem Wechsel in das 2. Jahrtausend vertiefte sich zunehmend eine weitere Freundschaft  der Bürger-Kompanie und zwar die bereits ein paar Jahre bestehende Verbindung mit dem „St.Suitbertus Tambourkorps Ratingen“. Hier wurden und werden wechselseitig die Festivitäten besucht und zahlreiche Schützen und Spielleute sind in der jeweils anderen Formation als fördernde oder passive Mitglieder vermerkt.

In diesem Jahr 2000 errang der Kompanie-Schießmeister und Major der St.Sebastiani Bruderschaft Hartmut Abs den „Ehrenoberst-Heilbrunner-Pokal“ und Fritz Schleifenbaum, der „Musikus“ der Bürger-Kompanie, textete das „Werbelied“ der Kompanie, dass seitdem bei verschiedenen Anlässen gesungen  wird.

Echten Schützengeist bewies in diesem Jahr auch Schützenbruder Holger Blumentrath. Nachdem bereits Andreas Kurz seine Heidi genau zu Schützenfest 1998 geheiratet hatte, war es diesmal Holger Blumentrath, der seine Yvonne am Schützenfestdienstag im Beisein seiner Schützenkameraden ehelichte.

 

Das Jahr 2001 wurde überschattet vom Tod des Ehrenhauptmannes der Kompanie, Hendrik van Staveren, dem fast alle „seiner“ Schützen das letzte Geleit gaben.

 

Um das Schießen für die Kompaniemitglieder attraktiver zu gestalten wurden 2001 sog. „Leistungsnadeln“ eingeführt, die in verschiedene Altersklassen unterteilt sind und jeweils nach vorgegebenen Mindestschießleistungen errungen werden können.

Die obligatorische „Herrentour“ führte in diesem und auch im folgenden Jahr nach Kalkar zum „Kernwasserwunderland“.

Der Landtagsabgeordnete Dr. Wilhelm Droste, der Bürger-Kompanie freundschaftlich verbunden, wurde erster „Ehren-Bürger“ der Kompanie. Mit diesem Titel sollen in Zukunft herausragende Persönlichkeiten von außerhalb der Kompanie geehrt werden, die sich um die Bürger-Kompanie verdient gemacht  haben und ihr freundschaftlich verbunden sind. Ein Jahr später wurden der Wirt des Kompanielokals Erich Koch und der Bundestagskandidat Christian Richartz aus Velbert in die Reihe der „Ehren-Bürger“ aufgenommen.

 

 

Im Jahr 2002 erfolgte mit der Wahl von Ulf Heimeshoff zum Adjutanten der St.Sebastiani Bruderschaft eine weitere Aufnahme eines Schützen der Kompanie in das aktive Corps und der Ausflug zum Schützenfest in Diemelsee-Stormbruch zusammen mit den Spielleuten des St.Suitbertus Tambourkorps waren ein voller Erfolg.

 

Die technische Entwicklung nahm auch beim Ratinger Schützenwesen seinen Fortgang und so konnte wie alle anderen Formationen auch die Bürger-Kompanie ab diesem Jahr im Internet über die Homepage der St. Sebastiani Bruderschaft erreicht werden.

Im Folgejahr, in 2003, erhielt dann die Kompanie nach intensiven Vorarbeiten unter www.Buerger-Kompanie.de  eine eigene, hervorragend gestaltete Homepage.

 

Das Schützen- und Heimatfest in diesem Jahr war zudem in zweifacher Hinsicht ein besonderer Erfolg für die Kompanie. Die Bürger-Kompanie erhielt den begehrten „Fritz-Krümmel-Wanderpokal“ der St. Sebastiani Bruderschaft als erfolgreichste Formation beim Schießen auf die Königs-, Ehren- und Preisvögel und das Kompaniemitglied Markus Conrad wurde Jungkönig der Bruderschaft und krönt damit das Jubiläumsjahr 2004.

 

Die Bürger—Kompanie kann nun in 2004 das 100. Jahr ihres Bestehens feiern und es soll dem Anlass entsprechend ein besonderes Jahr im Kompanieleben werden. Geplant ist ein Jubiläumsfest am 29. Februar 2004 im Kompanielokal „Birkenhof“, ein ganztägiges Königsschießen auf dem Schützenplatz am 19. Juni und am 18. September ein Königsfest mit besonderen Attraktionen in der Ratinger Stadthalle. Aber auch der Festzug aus Anlass des Ratinger Schützen- und Heimatfestes soll ganz im Zeichen des Kompaniejubiläums stehen.

 

Hinzu kommt, dass im Jubiläumsjahr gleich zwei Schützen der Bürger-Kompanie das 50. Jahr ihrer Mitgliedschaft feiern können. Es sind dies

 

Fritz Schleifenbaum, 67 Jahre und seit 1.4.1954 Kompaniemitglied und

August Breuer, 96 Jahre und seit 1.9.1954 Kompaniemitglied.

 

Beide haben über ein halbes Jahrhundert hinweg teilweise in verantwortungsvollen Positionen die Geschichte der Bürger-Kompanie mitgestaltet.

 

Die wechselvolle Geschichte der Bürger-Kompanie über 100 Jahre mit Höhen und Tiefen mit zwei Weltkriegen  und  jeweiligem Wiederaufbau, ist gleichzeitig Teil der Geschichte der St. Sebastiani Bruderschaft, in der die Bürger-Kompanie, gemessen am  Gründungsjahr, als 5. Kompanie erfasst ist. Sie ist aber auch Teil der Geschichte Ratingens, der alten Bergischen Hauptstadt und so begleiten die Bürger-Kompanie neben den Glückwünschen zum Jubiläum auch alle guten Wünsche für die Zukunft.

 

Gefertigt im Dezember 2003

 

Dieter Puls

 

Quellenverzeichnis: Protokollbücher der Hohenzollern-Compagnie,

später Bürger-Kompanie von 1904 bis 2003                                                                             Festschriften  1954, 1964, 1994, 2000-2003

                                  Ratinger Zeitung Max Brehmen